Was kostet ein abstraktes Original? Diese Frage stellt sich fast jeder, der zum ersten Mal vor einem Bild steht, das ihn auf eine Weise berührt, die sich nicht sofort in Worte fassen lässt. Oft wird sie nicht laut ausgesprochen – sie schwingt nur leise mit, während der Blick zwischen der Leinwand und dem Preisschild hin- und herwandert. Ich möchte sie Ihnen so offen beantworten, wie ich es in meinem Atelier täte: nicht mit einer Zahl, die alles erklärt, sondern mit einer Rechnung, die Sie nachvollziehen können – und mit dem, was sich nie in Zahlen fassen lässt.

Warum die Frage keine einfache Antwort hat

Ein Original ist kein Produkt von der Stange, deshalb hat es keinen Katalogpreis. Auf dem Kunstmarkt bewegen sich abstrakte Originale etablierter zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler häufig zwischen tausend und fünftausend Euro, nach oben offen. Was ein einzelnes Werk kostet, hängt von Format, Technik und Material ab, vom Werdegang der Künstlerin – und vom Kontext: Dasselbe Bild trägt in einer etablierten Galerie einen anderen Preis als auf einem Hinterhofmarkt. Nicht, weil die Farbe eine andere wäre, sondern weil Vertrauen und Verbindlichkeit immer mitschwingen.

Was Sie wirklich bezahlen, wenn Sie ein Original kaufen

Leinwand und Farbe machen nur einen winzigen Teil des Wertes aus. Sie bezahlen die Stunden, in denen ein Bild entsteht, verworfen, übermalt und wiedergefunden wird. Sie bezahlen die Jahre der Übung, die in jeder scheinbar mühelosen Geste stecken. Und Sie bezahlen für etwas, das es kein zweites Mal auf der Welt gibt: einen Moment, der in Farbe geronnen ist und nie wieder exakt so entstehen könnte. Ein Original ist immer auch ein Stück gelebter Zeit – die der Künstlerin, und bald schon Ihre eigene.

Meine Preisformel: transparent statt Bauchgefühl

Damit ein Preis nicht wie Willkür wirkt, arbeite ich mit einer offenen Formel, an der sich viele Kunstschaffende orientieren: Höhe plus Breite in Zentimetern, multipliziert mit einem Künstlerfaktor – bei mir ist es der Faktor 11 –, ergibt den Nettopreis; darauf kommen 7 Prozent ermäßigte Mehrwertsteuer, denn Sie kaufen das Original direkt von der Urheberin. Ein Aquarell im Format 14 × 21 cm kommt so auf 410 Euro, ein Ölgemälde von 130 × 160 cm auf 3.410 Euro. Diese Formel ist kein starres Gesetz, aber ein Versprechen: Jeder Preis in meinem Shop ist eine nachvollziehbare Rechnung aus Zeit, Können und Format – kein Verhandlungsspiel.

Eine ehrliche Orientierung: Was ein Original bei mir kostet

Konkret heißt das in meinem Atelier-Shop: Die gerahmten Mini-Aquarelle (11 × 11 cm) beginnen bei 280 Euro, die Blätter der Aquarell-Serie von 2021 (14 × 21 cm) liegen bei 410 Euro – ein echter, handsignierter Einstieg in eine geschlossene Werkserie. Kleine Acryl-&-Fineliner-Arbeiten auf Leinwand kosten ab 590 Euro, Kleinformate wie „Pfauen“ (30 × 40 cm) 820 Euro. Die großformatigen Ölgemälde der frühen Werkphase bewegen sich zwischen 1.880 und 3.770 Euro – ab 1.500 Euro verkaufe ich ausschließlich über ein persönliches Gespräch, gern mit Besichtigung im Atelier in Köln-Sürth. Nicht, um eine Hürde zu bauen, sondern weil ein Werk dieser Größe zu Ihnen und Ihrem Raum passen soll.

Original oder Druck – warum der Preis nur die halbe Geschichte erzählt

Natürlich gibt es Kunst günstiger. Ein hochwertiger Druck kostet einen Bruchteil eines Originals, und für viele ist er ein wunderbarer erster Schritt. Doch der Unterschied bleibt grundsätzlich: Ein Druck ist eine Erinnerung an ein Bild – ein Original ist das Bild. In ihm liegt die Spur der Hand, die Struktur der Farbe, die feine Unregelmäßigkeit, die kein Drucker reproduziert. Wer sich für ein Original entscheidet, kauft kein Dekor, sondern ein Gegenüber, das mit den Jahren nicht an Bedeutung verliert, sondern an Vertrautheit gewinnt.

Behält ein Original seinen Wert?

Anders als ein Möbelstück nutzt sich ein Bild nicht ab – es hängt, es wirkt, es altert in Würde. Ob ein Werk im Marktwert steigt, lässt sich seriös nie versprechen. Doch der eigentliche Wert eines Originals zeigt sich seltener im Wiederverkauf als im täglichen Leben mit ihm: in den Morgen, an denen das Licht anders auf die Farbe fällt, in den Gesprächen, die es auslöst, in dem stillen Gefühl, etwas Unverwechselbares zu besitzen. Diese Rendite zahlt sich vom ersten Tag an aus.

Wie Sie Ihr Original finden

Mein Rat ist schlicht: Lassen Sie nicht den Preis das erste Wort haben, sondern das Bild. Gehen Sie in Ruhe durch den Shop, ohne Eile, und achten Sie darauf, vor welchem Werk Sie länger stehen bleiben als geplant. Kunst, die Sie wirklich berührt, erkennt man nicht am Preisschild, sondern an diesem leisen Innehalten. Wenn ein Werk Sie nicht mehr loslässt, sprechen Sie mich gern an – mit einer Frage zum Format, zur Wirkung im Raum oder eben zum Preis.

Ein Original zu wählen ist nie nur eine Kaufentscheidung. Es ist die Entscheidung, sich jeden Tag von etwas Echtem ansehen zu lassen.

Herzlich,
Marcela Margret Kamanis (ehem. Kozlik)